Die 1 Mio. Dollar-Frage

Was für ein Geschenk soll ich meinem Kind kaufen (oder selber basteln)? Soll es ein Spielzeug oder ein Buch sein?

Das ist die Eine-Million-Frage, die sich jede Mutter stellt, sobald sich Festtage ankündigen.

Wenn wir zum Spielzeug greifen, wissen wir Mütter sehr wohl, dass es das Spiel ist, das wir schenken. Das Spiel fördert das Denken, die Feinmotorik und die Vorstellung von der Welt, so wie sie sein könnte, wenn ich Mutter, Astronaut oder Arzt wäre. Den Spidermann zu spielen bedeutet einfach, dass das Kind einen Helden spielen will. Aber für eine solche Art von Spielen braucht es Vorbereitung. Das Spiel basiert immer auf einem Wissen oder einer Fantasie. In der heutigen Welt ist es durch Gestalten eingeschränkt, die es aus dem Internet, dem Fernsehen und aus Werbung überfluten.  Das Kind braucht aber keine Gestalten, denn das schafft nur ein Spiegelbild. Die Gestalt ist nicht zum Schaffen fähig.

Die Schaffenskraft ist ein Ergebnis der Selbsterkenntnis und des Spektrums der eigenen Fantasie, der Worte, die ein langfristiges Ziel setzen.  Die Gestalt ist einfach ein Augenblick, öfters auch ein Mythos. 

Die Worte sind die unsichtbaren Samen des Glaubens und der Auffassung, dass die Dinge auch dann möglich sind, wenn wir wegen schwerer Schicksalsschläge den Glauben verlieren, dass... alles möglich ist. Das passiert bei Kindern über 7 Jahre, die voll von fremden Gestalten sind, nicht aber von der Möglichkeit, die Fantasie über sich selbst zu erweitern, ihr Märchen fortzusetzen, während sie aufwachsen.

Die Worte zeigen die verschiedenen Wege, EIN PROBLEM zu lösen. Das lernt man nicht in der Schule. Das kann man aus den Büchern lernen.

Hat jemand unseren Kindern verraten, dass eine mathematische Aufgabe nicht nur auf eine, sondern auf verschiedene Art und Weise gelöst werden kann? Die Kinder in Deutschland machen das nicht wie die Kinder in Japan, die ihrerseits das nicht machen, was andere Kinder machen.

Die Bücher führen zur Selbsterkenntnis und Erkenntnis der Welt. Besonders die Kinderbücher, die neben wirklichen Geschichten auch Märchen durch Symbole erzählen. Denken Sie an den Kleinen Prinzen, der sich mit dem Fuchs angefreundet und seine Rose niemals verlassen hatte. Heute vermeiden es die Kinder, Freundschaften mit Füchsen zu schließen, weil es so einfacher ist und weil man ihnen gesagt hatte, dass es unmöglich sei. Mit dem Fuchs, der den Anderen verkörpert, den Verschiedenen, der womöglich an Autismus leidet oder einfach jemand ist, der immer schummelt und uns in unangenehme Lage bringt. Es könnte auch unsere eigene Angst vor der Dunkelheit und vor Monstern sein. Kann der Fuchs unser Freund sein? Kann der Fuchs seine Einstellung uns gegenüber ändern? Es hat sich herausgestellt, dass es möglich ist. Antoin de Saint-Exupéry beweist es. Suche den Fuchs, liebe ihn, wenn kein anderer es nicht tun will und er bleibt dein Freund für immer und ewig. Ein Freund von diesen, die, wenn man sie auch nachts anruft und um Hilfe bittet, sie sofort herbeileilen, ohne zu zögern. Haben wir als Eltern solche Freunde? Und unsere Kinder? Und wollen wir, dass sie solche Freunde haben? Oder reicht die Vorstellung, die das fremde Kind von sich gibt, unserem Kind völlig aus? Wie lange halten solche Freundschaften?

Dabei weiß unser Kleiner Prinz: „Wenn ich Schmetterlinge sehen will, muß ich zwei, drei Raupen aushalten“.

Für einen großen Teil der Eltern sind die Freundschaften ihrer Kinder gleichbedeutend mit Spaß und Vergnügungen.

Denken Sie aber daran, dass die langlebigsten Freundschaften irgendwann in der Kindheit begonnen haben und zwar mit einem Menschen, der nicht unbedingt der netteste war, auch kein Spidermann, einer, von dem wir unserem Kind verboten hatten, seine Gesellschaft zu suchen, weil er nicht von Bedeutung war. Dieser Jemand wurde aber von unserem Kleinen Prinzen gezähmt und nach vielen, vielen Jahren hat er ausgerechnet unserem Kind in einer schwierigen Situation unter die Arme gegriffen.

Also – ein Spielzeug oder ein Buch heißt die Frage nach der Henne und dem Ei. Indem wir ein personalisiertes Märchenbuch kaufen, geben wir unseren Kindern Zukunft, Spaß und Verständnis für das Spiel mit auf den Weg. Dann kann es uns selbst sagen, was für ein Spielzeug es braucht, ohne dass dies durch die kommerziellen Werbeslogans hervorgerufen wurde, die imaginäre Gestalten verkaufen. Essen Sie Worte und bleiben Sie gesund, liebe Eltern und Kinder.